stadthallengarten
Im Juli 1876 nahmen am 1. Schlesischen Musikfest in Hirschberg im Riesengebirge zehn schlesische Städte mit zwölf Vereinen, 481 Sängern und 106 Musikern teil. Gegründet und finanziert wurde das Fest von Bolko von Hochberg, einem schlesischen Grafen aus dem Haus Fürstenstein und Pleß. Er schrieb Singspiele, eine Oper, widmete sich aber auch Lied- und Chorkompositionen. Das 3. Schlesische Musikfest fand 1878 erstmals in Görlitz statt. Es folgten das vierte (1880), sechste (1883) und achte (1886) in der Neißestadt. Seit dem 10. Musikfest 1889 fanden alle Feste zuerst im Zweijahres- später im Dreijahresabstand in Görlitz statt.
Anfangs wurden die Feste wie zahlreiche weitere öffentliche Veranstaltungen in einer ehemaligen Ausstellungshalle des Gartenbauvereins aus dem Jahre 1863 begangen. Der provisorische Holzbau wurde 1872 vom Wilhelmsplatz an das Neißeufer nahe dem Exerzierplatz in etwa dem heutigen Standort der Stadthalle umgesetzt und im Jahr 1878 für bis zu 2000 Gäste und Künstler ausgebaut.
Dieses Bauwerk schien jedoch dem Schlesischen Musikfest nicht angemessen zu sein, sodass um 1900 ein repräsentativer Neubau geplant wurde, der auch der steigenden Geltung der Stadt gerecht wurde.
Eine frühere Realisierung einer Konzerthalle in der Stadt war auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel nicht möglich. Der städtische Haushalt und der des zusammengeschlossenen Komitees für Musik- und Ruhmeshalle war um die Jahrhundertwende bereits schwer durch den Bau der Oberlausitzer Gedenkhalle (Ruhmeshalle) belastet.
Im Jahr 1900 berief die Stadtverordnetenversammlung eine Kommission mit Mitgliedern aus Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Bürgerschaft, die das Projekt Konzerthalle begleiten sollten.
Im Januar des Folgejahres bestimmte die Kommission den Bauplatz in der Nähe der alten Festhalle und legte fest, dass der Haupteingang sich auf Südseite an der Reichenberger Brücke auf Straßenniveau befinden solle.
Über eine Lotterie konnten 300.000 Mark der veranschlagten 810.000 Mark eingenommen werden. Einen sehr großen Anteil an den Spenden hatte der Initiator der Festspiele Graf Bolko von Hochberg. Schließlich votierte auch die Stadtverordnetenversammlung für den Neubau einer Konzerthalle.
Für den Bau konnte der renommierte Theaterbaumeister Bernhard Sehring gewonnen werden.
Nach den 16. Musikfestspielen fand am 20. Juni 1906 die Grundsteinlegung für die Stadthalle statt. Der Neubau entstand in einem zur damaligen Zeit prosperierenden Stadtviertel.
Die Arbeiten am Rohbau waren zu Beginn des Jahres 1908 bereits weitgehend abgeschlossen. Die geplante Eröffnung rückte jedoch mit dem Einsturz der Hallendecke am 9. Mai 1908, wahrscheinlich infolge fehlerhafter statischer Berechnungen der Stahldeckenkonstruktion, in weite Ferne.
Sie riss große Teile der Hallenwände mit. Das Unglück kostete fünf Menschen das Leben, elf wurden verletzt. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Wiederaufbau konnte das Bauwerk am 27. Oktober 1910 festlich durch das Philharmonische Orchester Berlin unter Leitung von Generalmusikdirektor Karl Muck eingeweiht werden. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich schließlich auf 1,14 Millionen Mark. Das Haus war für mindestens 2000 Besucher und ein bis zu 1000-köpfiges Ensemble auf der Bühne konzipiert.
In den Jahren 1936 und 1937 fanden umfangreiche Renovierungen im Gebäude statt, dabei wurden auch zahlreiche Schmuckelemente in den Sälen entfernt. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte die Stadthalle trotz Sprengung der nahegelegenen Reichenberger Brücke weitgehend unbeschadet. Bereits zwölf Tage nach dem Kriegsende luden der Oberbürgermeister Alfred Fehler und der sowjetische Stadtkommandant Oberst Pawel Iljitsch Nesterow die Kinder der Stadt zu einem Kinderfest im Stadthallengarten ein. Daran erinnert bis heute eine Gedenktafel. Als Ersatzveranstaltung für das Schlesische Musikfest wurde nach dem Krieg die Görlitzer Musikwoche etabliert. Die Musikwoche wurde jedoch bereits 1957 wieder eingestellt.
Am 31. Dezember 2004 wurde der Betrieb der Stadthalle auf Grund der wirtschaftlichen Situation und bautechnischen Mängeln am Bauwerk eingestellt. Seit 2004 engagiert sich der Förderverein Stadthalle e.V. für eine Sanierung und anschließende Wiedereröffnung der Stadthalle, die auf Grund der schlechten Haushaltslage der Stadt Görlitz in weite Ferne zu rücken droht.
Die Eröffnung war für 2014 vorgesehen.Nach Vorlage der Entwurfsplanung und Prüfung der Fördermittelsituation sah Oberbürgermeisters Siegfried Deinege jedoch eine Vielzahl von Risiken, so dass er 2012 dem Stadtrat empfahl, die „Einstellung des Projektes Sanierung Stadthalle“ zu beschließen. Der 2004 gegründete Förderverein Stadthalle Görlitz e. V. kämpft seitdem weiterhin gegen den anhaltenden Verfall des Jugendstilbaus.

2018 nun wird es bereits die vierte Auflage des beliebten Stadthallengarten Open Airs geben. Unter dem diesjährigen Motto „15° Deutsch Rock“ abgeleitet, vom Meridianstein hinter der Stadthalle, wird das Sommer Open Air ohne Frage eine der Höhepunkte des Görlitzer Kultursommers in der idyllischen Kulisse des schönsten Naturgartens der Stadt sein.
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